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Halb gewusst ist trotzdem falsch

Kennen Sie das? Sie befinden sich auf einer Feier mit vielseitiger Klientel und unter anderem läuft ein sehr von sich selbst überzeugter Witzbold, mit einem vermeintlich witzigen und intellektuell anspruchsvollen Shirt hier herum. Als wahrhaftiger Klugscheißer können Sie jedoch zwischen tatsächlich geistreichen Späßen und auf gefährlichem Halbwissen basierenden Kalauern unterscheiden ( Außerdem weiß ein Klugscheißer dass Oberteile mit witzigen Sprüchen allenfalls albern wirken).

So habe ich einmal die Bekanntschaft eines Herren gemacht, auf dessen Brust sich  der Satz “Ich bin Schizophren!” in neonfarbenen Buchstaben ausbreitete. Auf seinem Rücken war der Satz “Ich auch!” zu finden. Ich verstand zwar was der betrunkene Mann mit den blondierten Haaren mit seinem bunt bedruckten Oberteil auszudrücken versuchte, konnte aber höchstens Fremdscham und nicht Belustigung darin finden.

Abgesehen von der generellen Einstellung, welche ich gegenüber vermeintlich lustig bedruckten T-Shirts habe, basierte dieser humoristische Beitrag zusätzlich auf falschen Informationen. Der Witz geht von der weit verbreiteten aber nicht korrekten Annahme aus, dass Menschen, welche an Schizophrenie erkrankt sind gleichzeitig eine gespaltene Persönlichkeit hätten.

Bei Schizophrenie handelt es sich tatsächlich um eine geistige Erkrankung, welche den endogenen Psychosen zugeteilt wird. So können zwar Halluzinationen auftreten und die Betroffenen hören nicht selten Stimmen, aber sie haben ein relativ klares Bild von sich selber.

Hätte auf dem T-Shirt unseres Freizeitpsychiaters gestanden: “Ich habe eine Dissoziative Identitätsstörung” oder “Ich bin eine multiple Persönlichkeit”, so wäre der entstandene Witz zwar in meinen Augen immer noch nicht gut, aber zumindest den Fakten entsprechend.

Was lernen wir aus diesem Beitrag? Zunächst wollen wir die bedruckten Witzhemden den Kegelclubs und öffentlichen Junggesellenabschieden überlassen und als Klugscheißer davon Abstand halten. Sollte jedoch ein triftiger Grund auftreten, uns doch mit derartiger Bekleidung unter Menschen zu begeben, so sollten die Grundlagen für unsere Witze wenigstens gründlich überprüft werden, um uns zusätzliche Blamagen zu ersparen (Wenn möglich sollte das zugrundeliegende Bekleidungsstück aus Stilfragen außerdem einen Kragen besitzen).

Mit diesen Hinweisen entlasse ich Sie und wünsche Spaß beim nächsten Treffen auf eines der beschriebenen Individuen.

Bis dahin,

Ihr Klugscheißer

 

 

Ceterum censeo Carthaginem esse delendam

Herzlich willkommen auf dem Blog der Sie mit scheinbar nutzlosem Wissen versorgt, welches Sie jedoch, richtig untergebracht, in ausgewählten Momenten zum Besten geben können.

Im ersten Beitrag soll es um einen Ausspruch gehen, welcher die Geschichte als ein Beispiel von ungemeiner Hartnäckigkeit überdauert hat.

“Ceterum censeo Carthaginem esse delendam” bedeutet aus dem Lateinischen übersetzt so viel wie : “Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss”. Der Satz wird dem römischen Politiker Cato dem Älteren zugeschrieben und dürfte einigen seiner Kollegen seiner Zeit gehörig auf die Sandalenriemen gegangen sein. Das liegt daran, dass der gute Cato ihn zu jedweder Diskussion im römischen Senat an das Ende seiner Rede stellte. Dies war unabhängig vom Thema der jeweiligen Unterredung. Ob nun über Finanzen, Infrastruktur oder Rechtsprechung debattiert wurde war einerlei, da die Vernichtung der konkurrierenden Seemacht Karthago für ihn wohl eine Herzensangelegenheit darstellte.

Der Satz wird heutzutage in verkürzter Form als Begriff für eine beharrlich wiederholte Forderung verwendet. Ein Ceterum censeo ist beispielsweise der CSU-Politiker Alexander Dobrindt und seine Forderung nach einer Pkw-Maut.  Auch dieser sympathische Bayer wird nicht müde, von der Sinnhaftigkeit seines Prestigeprojektes zu erzählen.

Wie auch Herr Dobrindt hatte Cato jedoch Gegner, die seiner Sache widersprachen. Doch auch das Anliegen des Publius Scipio Nasica Karthago zu verschonen brachte unseren Protagonisten nicht vom Weg ab.

So erreichte er schließlich 150 v.C. dass der Senat seinem Anliegen nachgab und einem Krieg mit den verhassten Karthagern zustimmte. Der nun folgende dritte punische Krieg führte zu der Zerstörung Karthagos und dazu, dass Cato sein Lebensziel verwirklichte.

Auch wenn die Karthager in diesem Punkt vielleicht nicht mit mir in einer Meinung sind, spricht die Geschichte Catos des älteren doch dafür, dass Beharrlichkeit manchmal der zentrale Weg zum Erfolg darstellt und vielleicht auch in Teilen über die Vernunft obsiegt.

In diesem Sinne bleibt abzuwarten ob Herr Dobrindt möglicherweise ebenfalls an sein Ziel gelangt und den ausländischen Autofahrern zeigt, was bayrische Ausdauer bedeutet.

Ich danke für Ihren Besuch und hoffe, dass dieses erworbene Wissen Sie in gewissen Situationen ein anerkennendes Schmunzeln einbringt.

Bis dahin,

Ihr Klugscheißer